Verstand und andere Realitäten

Jaja, der liebe Verstand hat vieles zu berichten. Am Liebsten schnattert er ununterbrochen. Er ist ein Meister der Kontrolle und versteht es, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dazu nutzt er zahlreiche Fähigkeiten, mit denen er sehr gut bestückt ist. Manche behaupten, er sei allmächtig und böse. Tatsächlich aber ist er ein treuer Diener, der uns viele wertvolle Erfahrungen beschert. Ohne ihn wären wir nicht, wer wir sind.
Wir lieben seine Intelligenz, manchmal bereitet er uns Kopf zerbrechen. Er steuert Emotionen und ist gleichzeitig Ausdruck von Energie. Energie, die sich in Gedanken äussert.
Auch wenn wir ihn ab einer gewissen Bewusstseinsstufe als störend und lästig empfinden, und er uns oft den Anschein vermittelt, dass er gegen uns agiert, so steht er für eine Eigenkreation, die wir zu unserem eigenen Wohl, unserem höheren Erfahrungswunsch entsprechend, geschaffen haben.

Wenn wir uns jedoch zu sehr damit identifizieren, was wir denken, bleibt uns weniger Zeit, die wir dem wirklichen Leben widmen können. Lehnen wir ihn ab, so ist dies ein Zeichen der Ablehnung gegenüber uns selbst. Es fehlt das Ja zum Leben, die Bereitschaft zu fühlen und bedingungslos einzutauchen ins Jetzt.

Der Verstand hat seine Grenzen. Wenn wir an ihnen kitzeln, wehrt er sich vehement dagegen. Aufgrund seines Beschützerinstinktes begleitet er uns, wo immer wir hingehen. Er lässt uns vielleicht Angst spüren, wenn wir Bereiche erkunden wollen, die ihm fremd sind. Alles, was er nicht fassen kann, was ausserhalb seiner Struktur existiert und ihm chaotisch erscheint, ist für ihn tabu. Für ihn gibt es nur eine Realität. Und die ist erprobt, logisch und allgemeingültig.

Von ihm wegzurennen, schafft niemand. Aber man kann ihn annehmen und existieren lassen und nebenbei den Fokus auf etwas richten, was ausserhalb seines Erfahrungsspektrums liegt. Zum Beispiel auf Wahrnehmen und Fühlen, Eintauchen in die Welt der Empfindungen und Intuition, in das sinnliche Erfahren. Es obliegt unserer freien Wahl, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Heranzoomen

Der strukturierte Verstand ist nicht fähig, die chaotischen Gefühle zu begreifen. Aber sie existieren und sind gleichwohl ein Ausdruck von uns, wie etwas Weiteres, das uns befähigt zu erkennen, dass wir denkende und fühlende Wesen sind. Auch wenn dieses Etwas nicht fassbar ist, ist es ebenso Teil unserer Selbst. Man könnte es als den Beobachter bezeichnen, der uns auf der Reise zu uns selbst ein treuer Weggefährte ist. Er schenkt uns Vertrauen, damit wir mutig das Bewusstsein von der Verstandesebene in andere Wirklichkeiten ausdehnen können. -Die übrigens die gleiche Berechtigung haben zu existieren wie das Denken! Mehr noch, es geht hier nicht um Berechtigungen, sondern um die Tatsache, dass alles gleichzeitig existiert.

Alles darf sein. Können wir das annehmen? Können wir ja sagen zu dem was wir sind? Die Antwort dazu liegt jenseits des Verstandes und dort ist alles, wirklich alles erlaubt und gut, genau so wie es jetzt gerade ist.

Dieser Artikel wurde am 29.Mai 2013 von Marina Bär in der Kategorie diverse Texte veröffentlicht.
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