Thema Selbstablehnung

Hier pikse ich wohl mit der Nadel direkt in eine offene Wunde der aktuellen Zeit. Nicht, weil sich sofort jeder betroffen fühlt. Nein, davon sind wir weit entfernt! Das Gegenteil ist der Fall. Die Meisten können oder wollen es nicht wahrhaben, dass das Zulassen von Selbstliebe nur sehr wenig Raum im Leben einnimmt. Ihr Fokus ist stark abgelenkt von dieser elementaren Lebenserfahrung. Genau deshalb richte ich die Aufmerksamkeit auf dieses Thema.

 
Bist du es dir Wert?

Zählst du dich zu denjenigen, welchen es das Herz erwärmt, wenn es darum geht, sich selbst Gutes zu tun, oder breitet sich bei der blossen Vorstellung ein unangenehmes Gefühl aus? Bist du es dir Wert, liebevoll für dich zu sorgen und achtsam auf deine innere Stimme zu hören? Wie tief lässt du dich ein? Bist du zufrieden, wenn dein Verstand eine Erklärung gefunden hat, oder soll dein Gefühlshaushalt ebenfalls ausgeglichen sein? Wie steht es um dein seelisches Wohlbefinden? Ist es dir egal, wie es dir geht, solange du funktionierst, oder sorgst du gegebenenfalls für Ausgleich?

Diese Fragen bringen eine beträchtliche Auswahl von Antworten zutage, die einiges über dich aussagen. Schön, wenn du weisst, woran du bist! Hast du schon einmal beobachtet, was deine Antwort mit dir macht, wenn du sie tief sinken lässt? Ist es dir möglich wahrzunehmen, wie sie dich berührt? Wie reagierst du auf diese Empfindungen? Redest du sie dir schön, ignorierst du sie oder kämpfst du dagegen an? Bist du bereit, auf sie einzugehen, um zu erkennen, was sie dir mitteilen? Sie erzählen dir etwas über dich, zeigen dir, wer du bist.

 
Selbstablehnung hat einen Namen: der Kritiker

Dieser kann sich übrigens, wenn du ihm genug Ablehnung entgegen bringst, nach aussen verlagern, so dass er sich in Form eines Menschen oder einer Institution leibhaftig vor dir aufbäumt. Nicht zu vergessen ist der Kritiker, der dich zu ihm werden lässt, ohne dass du es bemerkst. Er macht dich zum Leidenden, ob in Form eines Täters oder Opfers. Man könnte ihn sich auch als mahnendes Teufelchen auf der Schulter vorstellen.

Der Kritiker steht für Härte, Ablehnung und Schwere. Wann immer sich Gefühle dieser Art zeigen, ist er am Werk. Er hält dich klein, begrenzt und sorgt dafür, dass du dein Licht ständig in den Schatten stellst. Nicht, dass dies schlecht wäre. Es ist einfach eine Erfahrung, mit der man im Laufe der Zeit umzugehen lernt, in die unser Bewusstsein hineinwächst.

 
Seine Herkunft

Im zarten Kindesalter mögen Autoritätspersonen dafür sorgen, dass sich mahnende Sätze im System einprägen. Später soll man sich entweder der Gesellschaft oder anderen Menschen anpassen. Das sorgt für weitere Prägungen, ganz zu schweigen von den Geschichten, die wir aus vergangenen Leben mitgebracht haben oder die uns von den Ahnen in die Wiege gelegt wurden. Kurz gesagt: Der Kritiker wird von einem saftigen Boden genährt. Zusätzlich entwickelt er sich im fortschreitenden Alter ständig weiter, falls man ihn unbemerkt sein Handwerk fortführen lässt.

 
Zwei Seiten ergeben ein ausgeglichenes Ganzes

Alles hat bekanntlich zwei Seiten, das zumindest geht aus unserer dualen Realitätserfahrung hervor. Was allerdings bedeutet, dass es neben einem Kritiker auch einen Befürworter geben muss. Die universellen Gesetze sagen aus, dass zwei Seiten immer ausgeglichen sind. Ist demnach der Befürworter schwach, hat der Kritiker wenig zu melden. Ist einer von ihnen stark, hat der andere die selbe Macht. Das liefert uns zwar ein erweitertes Verständnis zur Selbstablehnung, präsentiert aber noch nicht die Lösung.

 
Die Lösung

Wenn gleichzeitig ein Kritiker sowie Befürworter in uns existieren, warum können wir dann nicht beide sein? Wäre es nicht möglich, die Stimmen beider zu hören und aus dieser Beobachterposition eine Entscheidung zu treffen? Wie wäre es, Verantwortung für dich zu übernehmen und selbst zu wählen, was du willst? Raus aus der Opferhaltung, rein in die Selbstbestimmung.

Das soll nicht bedeuten, dass du Selbstablehnung ablehnst. Es geht darum, bewusst mit ihr umzugehen. Genau, wie mit allen anderen Stimmen, die in deinem Innern ihr Recht einfordern. Wir erleben Momente, in denen die Selbstablehnung am längeren Hebel als der Selbstwert sitzt. Es gibt andere Momente, da lassen wir uns sicher von unserem Selbstbewusstsein tragen. Wäre es nicht schön, es selbst in der Hand zu haben, wer wir sind und was geschieht? Das erfordert einen wachen Beobachtergeist, Mut zur Klarheit und die Bereitschaft, alles willkommen zu heissen, was sich zeigen möchte.

Alles ist gut. Du darfst sein, wie du bist. Kannst du dich trotzdem lieb haben? Geniesse die Erfahrung und erlebe, wie du daran wächst.
 
 
 

Dieser Artikel wurde am 5.Mai 2015 von Marina Bär in der Kategorie Erfahrungen veröffentlicht.
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