Wenn alles zusammenbricht

Grenzen überwinden

Zerbrechlich ist nur das, was einer festen Struktur zugrunde liegt. Eine Struktur ergibt sich aus einem Rahmen, der etwas definiert. Sie kann helfen, Ziele zu erreichen, ist aber nicht der einzige Weg, den man einschlagen kann. Was sie nicht berücksichtigt ist das, was ausserhalb des Rahmens existiert. Deshalb ist sie ein Auszug vom Ganzen. Grenzen werden definiert, damit ein entsprechender Raum leichter erfasst werden kann. Das heisst, sobald eine Grenze da ist, ist der Raum nicht mehr frei. Wenn etwas Eingeschränktes zusammenbricht, ist es erst einmal frei. – Bis man einen neuen Rahmen definiert.

 
Freiheit ist zwar schön, aber auch grenzenlos

Erlebt der Mensch eine Situation, in der etwas zusammenzubrechen scheint, hat er immer die Möglichkeit, das Ganze zu sehen. Allerdings ist das oft zu viel auf einmal, weil er sich in den Einzelteilen verliert, darum bleibt er gerne bei einer beschränkten Version seiner Selbst.

Nehmen wir als Beispiel eine Glasscheibe. Wenn sie zerbricht, ist sie immer noch Glas. Ein Mensch kann nur so weit zerbrechen, wie er denkt, dass er fest, beziehungsweise begrenzt ist. So mag er der Überzeugung sein, dass er eine Scheibe ist, die zerbrechen kann, obwohl er eigentlich Glas (Bewusstsein) ist. Okay, Mensch bricht sich Knochen, zerreisst sein Gewebe oder schneidet sich. Dann ist er konfrontiert mit der Festigkeit seines Körpers. Auch wenn ein Teil von ihm leidet, existiert er dennoch weiter. Emotionale Zusammenbrüche kennt er ebenso. Obwohl sie ihn arg mitnehmen, existiert er weiter. Was ihn zu zerreissen vermag, ist eine Illusion. Denn was ihn ausmacht, ist am Ende das Ganze und nicht der Rahmen, in dem er zu sein glaubt.

 
Bewusstsein ist einfach

Bewusstsein bricht nicht auseinander, weil es einfach ist. Da der Mensch sich per persönlicher Definition begrenzt, weil er es nicht annehmen kann, dass er Bewusstsein ist, besteht andauernd die Gefahr, dass seine Vorstellungen über den Haufen geworfen werden. Würde er nicht erleben, wie es ist, wenn etwas zusammenbricht, hätte er keine Chance zu entdecken, was er auch noch ist.

 
Wenn alles zusammenbricht, bleibst du trotzdem ganz

Die Erfahrung kann den Menschen lehren, dass er hinter dem zerbrochenen Rahmen stets existiert und unverletzt bleibt. Während auf einer Bewusstseinsebene Dinge kaputt gehen, ist auf einer anderen Ebene immer noch alles ganz. Mehr noch, wenn er erkennt, was von ihm weggerissen wird, weiss er, was er selbst auch ist. Dabei löst er die Illusion von Trennung auf, er wächst in sich hinein.

Egal, was in dir oder um dich zusammenbricht, du wählst, ob du das grössere Ganze dahinter erkennst, oder weiterhin an einer beschränkten Version festhältst. Du entscheidest, was zur Zeit das Richtige für dich ist und sammelst Erfahrungen damit.
 
 
 

Dieser Artikel wurde am 7.März 2015 von Marina Bär in der Kategorie Erfahrungen veröffentlicht.
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