Regen, wenn der Himmel weint

Rainfall

Es regnet. Mensch in unseren Breitengraden ist darüber nicht gerade erfreut. Eigentlich sollte jetzt Sommer sein … Es fliessen Tränen. Mensch sollte sie an gewissen Orten nicht zeigen. Eigentlich müsste er lachen.

Gewisse Effekte haben dieser graue Schleier und das kühle Nass, das fast ununterbrochen auf den Boden prasselt, schon. Mensch will, dass die Sonne scheint, ihn zum Lachen bringt, das Leben in eine weiche Watte packt, die alles leichter macht. Ähnlich ist es mit dem traurig sein, das viel zu oft auf Ablehnung stösst. Bei einigen darf Traurigkeit überhaupt nicht sein, bei anderen nur in gewissen Massen. Weinen ist ein Akt der Befreiung, der mit dem Wasser das wegfliessen lässt, wofür es Zeit ist, zu gehen.

Manchmal dauert der Regen eben länger, als einem lieb ist. Manchmal reicht nur ein bisschen Wasser nicht aus, bis die Luft wieder klar und der Boden durchgewaschen ist. Manchmal reicht ein einzelnes Gewitter nicht aus, um die Spannung zu lösen, die so tief und schwer in der Atmosphäre hängt. Manchmal füllen sich ganze Ozeane mit unseren Tränen.
 
Es ist wie es ist, durch Annehmen wird es leichter und plötzlich taucht Freude auf

Das Gute am Wetter ist, dass man es (in der Regel) nicht beeinflussen kann. Man ist fast dazu gezwungen, damit zu sein, es anzunehmen, wenn man sich nicht Unmengen von Ärger aufhalsen will. Es führt kaum ein Weg daran vorbei, sich den schönen Dingen zuzuwenden, die eine besondere Qualität aufweisen, wenn es regnerisch zu und her geht. Eine ideale Zeit, nach innen zu gehen oder neugierig in die nasse Erfahrung einzutauchen. Die eigene Natur lässt sich leichter manipulieren. Trauer kann man unterdrücken, man kann sich ablenken, aber man kann sie nicht vernichten. Die Energie will ihrem Fluss folgen. Wenn wir nicht mehr dagegen kämpfen, den Tränen erlauben zu fliessen, befreien wir uns selbst.

Alles hat seine Zeit. Jetzt ist immer richtig. Regen und Tränen sind Ausdruck von Energie, die sich bewegt. Trauer, Regen und Reinigung gehören zusammen, wie der Atem zum Menschen. Sie kommen und gehen, waschen rein, schaffen Raum für neues Sein. Sie bereiten die Atmosphäre oder unseren Körper vor, damit sie das Licht halten können, das nach der Klärung heller scheint.

Dieser Artikel wurde am 31.August 2014 von Marina Bär in der Kategorie Aktuelles veröffentlicht.
Es wurden folgende Tags vergeben:

Keine Kommentare

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag abgeschaltet.