Der Fluss

GordonRiver

Er bringt das Wasser in dürre Regionen.
Ständig in Bewegung durchzieht er Länder,
verbindet alles, dehnt sich aus, wächst weiter.

Wie ein Fluss ziehe ich durch das Jetzt.
Mal leise plätschernd, mal reissend stark,
mal spiele ich glucksend herum, mal bin ich ein dröhnender Strom.

Mal werde ich eingedämmt, mal geht es durch die schmalsten Spalten,
manchmal versickern Teile von mir im Boden, mal werde ich zu einem tiefen See.

Mal werde ich gestaut, um irgendwann später über die Ränder
oder durch die Barrikaden zu stossen, frei folgend meinem Weg.
Mal werde ich umgeleitet, mal fliesst etwas in mich,
mal fliesse ich in etwas Neues hinein.

Mal nimmt einer ein klärendes Bad in mir, mal werde ich mit Abfall gefüllt.
Mal wäscht einer seine Kleider oder genehmigt sich ’nen Schluck von mir,
mal betrachtet einer sein Spiegelbild auf meiner Oberfläche.
Mal werde ich an Stellen durchgewirbelt, an anderen fliesse ich ruhig und klar.
Mal lasse ich Tropfen von mir vom Wind wegtragen,
mal fliesse ich kompakt und zielstrebig voran.

Mal bin ich der Anfang, mal das Ende.
Mal Tropfen, mal Pfütze, mal Bächlein, mal Strom, mal Seen, mal Meere,
mal der ganze Ozean.

Ich bin der Fluss

Mal fällt Regen auf mich, mal wärmt mich die Sonne.
Die Landschaften, durch die ich ziehe, verändern sich stets.
Das Becken, das mich trägt, ist mal glatt, mal rau und manchmal verzweigt.
Gelegentlich scheint es mich zu bremsen, aber ich bin flüssig und beständig.

Ich komme von dort, wo ich mich sammle und gehe dort hin, wo ich bin.
Ich bin das Fliessen selbst, die Schale, die mich auffängt, das, in was ich mich ergiesse.
Mein Wasser nährt die Welt, in meinen Spuren wächst Neues.

Ich folge meinem Lauf, erfahre vieles auf meiner Reise.
Auch wenn ich von unzähligen Geschichten berichten kann,
die mich mal so oder anders zeigen, ich bin der Fluss.
Woher ich komme und wohin ich gehe, ist alles, was ich bin.

Dieser Artikel wurde am 18.August 2014 von Marina Bär in der Kategorie Gedichte veröffentlicht.
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