Lass mal Spannung los

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Spannung ist überall zu finden. Sie blitzt kurz auf oder ist langjähriger Lebensbegleiter, sie funkt zwischen den Menschen, zehrt an den Kräften oder sitzt uns im Nacken. Manchmal führt sie zu Explosionen, manchmal zur Erschlaffung. Im Kern vermittelt sie ein unangenehmes Gefühl. Spannung hat eine starre Qualität und entsteht, wenn zwei interagierende Pole in unterschiedliche Richtungen ziehen. Je nach Krafteinsatz kann keine Energie mehr zwischen den beiden Polen fliessen. Die Verbindung ist eng oder ganz verschlossen. Kein Raum für Leben. Atemstillstand. Burnout. Spannung ist auch ein Hinweis darauf, dass man sich etwas vormacht. Sie taucht auf, wenn wir uns nicht erlauben, echt zu sein – oder wenn wir bereit sind, zu sehen, was uns vom Ganzsein noch abhält.

Zur Verinnerlichung: In diesem Kontext ist das Gegenteil von Spannung Ausdehnung (Bewegung, Leben, fliessende Energie, Erlauben, Annehmen). Keines Falls ist Spannung etwas Schlechtes. Es ist eine Art, wie wir uns durch unsere Energie ausdrücken. Eine Momentaufnahme. Punkt.

 
Was bedeutet dies für unseren Körper und wie können wir dieses Wissen zu unserem Wohle nutzen?

Anspannung bedeutet, in der freien und natürlichen Bewegung eingeschränkt zu sein. Sie tritt an den Stellen auf, wo es Konflikte gibt, wo wir in zwei unterschiedliche Richtungen ziehen und mit der Zeit vielleicht sogar starr werden. Spannung kann so stark sein, dass es weh tut und oftmals wird der Schmerz irgendwann ausgeschaltet, weil man abstumpft, sich daran gewöhnt oder ihn verdrängt. Etwas nicht zu fühlen bedeutet nicht, dass es nicht da ist. Es bedeutet lediglich, dass es keine Aufmerksamkeit erhält.

Spannung ist immer ein Zeichen dafür, dass wir uns aus uns herausquetschen, den Raum verschliessen, in dem wir ganz uns selbst sein dürfen. Der Körper zieht sich zusammen und presst den Lebenssaft aus der entsprechenden Stelle. Sie wird erzeugt von Gedanken, die gegen die Ausdehnung des wahren Selbst hält. Welche Stelle im Körper auch betroffen sein mag, es ist genau die Richtige und sie zeigt uns, dass und wie wir uns vor uns verschliessen. Selbstverständlich kann man Spannung ignorieren, dennoch ist sie ein unübersehbarer Ausdruck unserer Energie auf Körperebene.
Wenn Energie über längere Zeit nicht fliessen kann, entsteht ein Ungleichgewicht, das weitere Spannungen verursachen kann.

Wie man solche Verspannungen löst? Ganz einfach, in dem man nicht mehr kämpft, sondern in sie eintaucht, die Stellen durch Achtsamkeit mit Bewusstsein füllt, spürt, wo und wie es zieht, hinein atmet und mit Leben füllt. Entspannen eben. Loslassen. Fühlen, wie es sich verändert, weich wird.

Kurz gesagt: Anspannung im Körper ist unnatürlich und steht für eine Barriere zwischen dem, was wir denken, dass wir sind und dem, was wir sein können. Wenn wir bewusst in diese Stelle „hineingehen“, öffnen wir einen Raum, in dem die eigene Schöpferkraft frei fliessen kann.

 
Was geschieht in dem Moment, wo sich eine Spannung löst?

Das ist ganz einfach erfahrbar: Forme eine feste Faust beim Einatmen und dann löse die Spannung beim Ausatmen. Wie fühlt sich die Hand nun an? Pulsiert sie, ist sie erleichtert oder gar sanft? War es anstrengend, die Faust zu halten? (Wenn nicht, darf man das Experiment gerne beliebig lange ausdehnen.)

Spannung benötigt Energie, um aufrecht erhalten zu bleiben. Wie viel Energie wir wohl damit verpuffen über all die Jahre und Generationen? Egal wie hoch der Betrag ausfällt, es ist Nichts im Vergleich zur Reichhaltigkeit, die uns im freien Fluss unbegrenzt zur Verfügung steht. Während unser Selbst mit einem unendlichen Potenzial an Energie gesegnet ist, denken wir in sehr begrenzten Dimensionen und halten damit ein verzerrtes Bild von uns aufrecht. Mit Spannung verschliessen wir uns vor uns selbst.

Im Moment der Entspannung verschmelzen die beiden Pole zu einem Punkt. Ein Ziehen ist nicht mehr nötig. Man könnte sagen, innen und aussen werden Eins. Ein Dimensionssprung findet statt, und zwar von haben zu sein, von der mentalen zur spirituellen Ebene, von Trennung zur Verbindung.

Wenn wir einer gespannten Stelle im Körper unsere ganze Aufmerksamkeit schenken, werden die Muskeln weich und das Blut kann durch die Bahnen fliessen. Entspannung gewährleistet die natürliche Energiezufuhr, den Austausch von Energie. Wir wechseln von zu nach auf, von eng zu weit. Das Wachbewusstsein dehnt sich in die neu erschlossenen Räume aus. Das Seelenbewusstsein oder höhere Selbst füllt den Raum mit seiner Präsenz/Energie. Etwas mehr von unserer Essenz scheint nach aussen und beeinflusst unsere Realität.
Spannung zu lösen hat einen Einfluss auf das Aussehen, Verhalten, Selbstwertgefühl und die Liebe. Auf alles. Diese eine kleine Entscheidung, eine Spannung zu lösen, kann das Leben verändern.

Es beginnt damit, dass wir die Aufmerksamkeit nach innen richten, weg von der Hektik und den Sorgen zurück auf den Boden, den Körper. Selbstbesinnung. Sammlung. Eigenverantwortliche Harmonisierung. Etwas für sich selbst tun. Annehmen, was ist und den Kampf zugunsten befreiender Erkenntnisse aufgeben.

Wenn die Spannung sich zu lösen beginnt, kann das im ersten Moment schmerzhaft sein. Vielleicht zuckt der Körper, weil gestaute Energie freikommt. Vielleicht ist es auch einfach ein wohlig schöner Moment, den man sich just jetzt schenkt, um zu geniessen.

In diesem Sinne allen einen entspannten Frühling! Möge der offene Raum Freiheit ins Leben bringen und Lücken mit Kreativität füllen.

Dieser Artikel wurde am 20.März 2014 von Marina Bär in der Kategorie Aktuelles veröffentlicht.
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